Warum wird überhaupt ein Blutbild gemacht?
Ein Blutbild gehört zu den häufigsten diagnostischen Untersuchungen in der Tiermedizin – und das aus gutem Grund. Es gibt uns einen umfassenden Überblick über den Zustand des Körpers, ohne dass wir invasiv eingreifen müssen. Mit einer einzigen Blutprobe lassen sich Hinweise auf Erkrankungen von Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Schilddrüse erkennen, aber auch auf Infektionen, Entzündungen, Anämien oder Störungen des Immunsystems.
Besonders wertvoll ist das Blutbild als Vorsorgemaßnahme: Bei gesunden erwachsenen Hunden empfehlen Tierärzte in der Regel eine jährliche Kontrolle. Bei Hunden ab etwa sieben bis neun Jahren – dem Seniorenalter – sollte es ein- bis zweimal im Jahr gemacht werden, weil sich viele Erkrankungen in diesem Alter schleichend entwickeln und im Blutbild oft früher sichtbar werden als durch Symptome. Chronisch kranke Hunde brauchen je nach Situation sogar quartalsweise Kontrollen.
„Ein Blutbild zeigt uns Veränderungen im Körper, lange bevor der Hund sie uns durch sein Verhalten zeigt."
Was kann man mit einem Blutbild beim Hund feststellen?
Ein Blutbild kann eine ganze Reihe von Zuständen und Erkrankungen sichtbar machen – auch solche, die noch keine äußerlichen Symptome zeigen. Das macht es so wertvoll als Vorsorge-Instrument.
- Infektionen & Entzündungen – erhöhte weiße Blutkörperchen weisen auf aktive Infekte oder chronische Entzündungsprozesse hin
- Lebererkrankungen – erhöhte ALT, AST oder GLDH zeigen, dass die Leber belastet oder geschädigt ist
- Nierenprobleme – Kreatinin und Harnstoff steigen an, wenn die Nieren nicht mehr optimal filtern
- Diabetes – erhöhter Blutzucker (Glukose) ist ein klarer Hinweis
- Blutarmut (Anämie) – zu wenige rote Blutkörperchen oder zu wenig Hämoglobin
- Schilddrüsenerkrankungen – über zusätzliche Schilddrüsenwerte (T4) erkennbar
- Mangelzustände – Spurenelemente, Elektrolyte und Proteinwerte geben Hinweise auf Versorgungslücken
- Mittelmeererkrankungen – bei Reisehunden relevant: Leishmaniose, Ehrlichiose u.a. lassen sich über spezielle Blutparameter erkennen
Das Blutbild ist immer eine Momentaufnahme – und das ist wichtig zu wissen
Hier liegt ein häufiges Missverständnis. Ein einzelnes Blutbild sagt uns: So war der Körper an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit, in diesem Zustand. Es ist kein Urteil auf Lebenszeit. Werte können sich verändern – nach oben und nach unten – je nachdem, was gerade passiert.
Das bedeutet: Ein Wert, der heute leicht erhöht ist, muss in drei Monaten nicht mehr erhöht sein. Und umgekehrt. Deshalb ist der Verlauf über mehrere Blutbilder aussagekräftiger als ein einzelner Wert. Wenn du also das Blutbild deines Hundes hast und ein paar Werte aus dem Referenzbereich fallen, ist das kein Grund zur Panik – aber ein Grund, genauer hinzuschauen und aktiv zu werden.
Ein einzelner Wert sagt wenig – der Verlauf über Zeit sagt alles.
So bereitest du deinen Hund richtig auf das Blutbild vor
Das klingt nach einer Kleinigkeit, macht aber einen erheblichen Unterschied: Die Blutentnahme sollte immer morgens stattfinden – und dein Hund sollte vorher zwölf Stunden nüchtern sein.
Warum? Weil Futter direkt vor der Blutabnahme die Werte verfälscht – besonders die Fettkonzentration (Triglyzeride) und den Blutzucker. Ein Hund, der zwei Stunden vorher gefressen hat, kann Triglyzeridwerte zeigen, die im pathologischen Bereich liegen – obwohl er völlig gesund ist. Das führt zu Fehlinterpretationen.
Praktischer Tipp: Abends nach 20 Uhr nichts mehr füttern. Wasser ist erlaubt. Den Tierarzttermin möglichst früh am Morgen legen – idealerweise zwischen 7 und 9 Uhr. Außerdem: Kein ausgiebiges Spielen oder Toben kurz vor dem Termin, da auch körperliche Anstrengung einzelne Werte kurzfristig erhöhen kann. Und wenn dein Hund Medikamente nimmt – dem Tierarzt vorher Bescheid geben.
Diese Vorbereitung gilt übrigens auch für Verlaufskontrollen: Damit die Ergebnisse vergleichbar sind, sollten die Bedingungen bei jedem Termin möglichst gleich sein – gleiche Tageszeit, gleicher Nüchternheitsstatus.
Was sagen die einzelnen Werte aus?
Ein Blutbild besteht aus zwei Teilen: dem Blutbild im engeren Sinne (Anzahl und Beschaffenheit der Blutzellen) und dem Blutserum (biochemische Werte der Organfunktionen). Beides zusammen ergibt das vollständige Bild.
- ALT / AST / GLDH – Leberwerte. Erhöht, wenn die Leber belastet oder entzündet ist. Kann durch Fütterung, Medikamente oder Erkrankungen ausgelöst werden.
- Kreatinin / Harnstoff (BUN) – Nierenwerte. Zeigen, wie gut die Nieren filtern. Werden auch durch Proteingehalt im Futter beeinflusst.
- Glukose – Blutzucker. Erhöht bei Diabetes oder Stress, verfälscht bei nicht-nüchternem Hund.
- Triglyzeride / Cholesterin – Fettstoffwechsel. Stark abhängig von der letzten Mahlzeit und der Fettmenge im Futter.
- Hämatokrit / Hämoglobin – Rote Blutkörperchen. Niedrig bei Anämie, hoch bei Dehydration.
- Leukozyten – Weiße Blutkörperchen. Erhöht bei Infektionen oder Entzündungen, erniedrigt bei Immunschwäche.
- Elektrolyte (Natrium, Kalium, Kalzium) – Mineralstoffe im Blut. Wichtig für Herzfunktion, Nerven und Muskeln.
Wichtig dabei: Kein Wert steht für sich allein. Die Interpretation macht immer das Gesamtbild – welche Werte sind gleichzeitig auffällig, wie ist der Hund insgesamt, was frisst er, wie alt ist er, welche Vorgeschichte hat er? Erst dann ergibt sich ein sinnvolles Bild.
Was im Napf landet, zeigt sich im Blutbild.
Wie Ernährung die Blutwerte beeinflusst
Und hier wird es für mich persönlich besonders spannend. Denn was dein Hund täglich frisst, spiegelt sich direkt in seinen Blutwerten wider.
Erhöhte Leberwerte entstehen häufig durch zu fettreiches Futter, durch minderwertige Proteinquellen oder durch Zusatzstoffe, mit denen die Leber einfach überfordert ist. Eine gezielte Ernährungsumstellung kann erhöhte Leberwerte messbar senken – das zeigt sich dann beim nächsten Blutbild schwarz auf weiß.
Bei den Nierenwerten ist es ähnlich: Zu viel Protein belastet die Nieren, aber zu wenig schadet genauso – weil der Körper dann beginnt, körpereigenes Gewebe abzubauen. Die Lösung liegt nicht in weniger Protein, sondern im richtigen Protein. Bestimmte Proteinquellen sind nierenfreundlicher als andere und lassen Kreatinin und Harnstoff sinken.
Dazu kommen natürliche Kräuter und Toppings: Mariendistel unterstützt die Leber. Löwenzahn regt die Nierendurchblutung an. Bestimmte Omega-3-Fettsäuren senken systemische Entzündungswerte. Das ist keine Alternativmedizin – das ist belegte Biochemie, und sie funktioniert.
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„Das nächste Blutbild ist kein Urteil. Es ist die Chance zu sehen, was sich verändert hat – weil du aktiv etwas getan hast."
Du hast das Blutbild deines Hundes gar nicht zur Hand?
Das kenne ich leider von vielen Kunden. Wenn ich frage „Schick mir doch mal das letzte Blutbild", kommt oft die Antwort: „Das wurde vor ein paar Wochen gemacht – aber ich habe es nie bekommen." Das ist häufiger als man denkt.
Der Ablauf in der Praxis ist meist derselbe: Der Tierarzt schaut kurz auf den Bildschirm, sagt „alles soweit okay" oder „wir leiten eine Therapie ein" – und das war's. Das eigentliche Dokument landet selten automatisch in deinen Händen. Dabei hast du als Tierhalter jederzeit das Recht darauf.
Ein kurzer Anruf in der Praxis reicht: Bitte einfach darum, dass dir das Blutbild als PDF per E-Mail zugeschickt wird. Die meisten Praxen machen das unkompliziert – auch wenn die Untersuchung schon einige Wochen zurückliegt.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du das Blutbild deines Hundes hast – egal ob die Werte auffällig sind oder nicht – lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht um Angst zu bekommen, sondern um zu verstehen, wo dein Hund gerade steht und wo du ihn über die Fütterung unterstützen kannst.
Das ist kein Hexenwerk. Es braucht nur jemanden, der das Blutbild liest, die Werte in den Kontext stellt und daraus einen konkreten Plan macht.
Muss mein Hund vor dem Blutbild nüchtern sein?
Ja – 10 bis 12 Stunden kein Futter, Wasser ist erlaubt. Idealerweise morgens zwischen 7 und 9 Uhr. Futter kurz vorher verfälscht besonders Fett- und Zuckerwerte.
Kann Ernährung Blutwerte beim Hund wirklich verbessern?
Ja. Die Fütterung beeinflusst direkt Leber- und Nierenwerte, Entzündungsmarker und den Fettstoffwechsel. Mit gezielten Anpassungen lassen sich auffällige Werte bis zum nächsten Blutbild messbar verbessern.
Wie bekomme ich das Blutbild meines Hundes?
Du hast jederzeit das Recht auf eine Kopie. Ein Anruf in der Praxis reicht – bitte darum, dass es dir als PDF per E-Mail geschickt wird. Das klappt auch noch Wochen nach der Untersuchung.
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